IFeL blog

Structure, Dialogue and Autonomy

Ordnung im Chaos oder Selbstzweck

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In den Erziehungswissenschaften gibt es zu viele Begriffe, die sich überschneiden, und/oder mehrere Bedeutungen haben.

Ein Beispiel
Pintrich (2000) definiert Selbstreguliertes Lernen als “ein aktiver, konstruktiver Prozess, bei dem der Lernende sich Ziele für sein Lernen selbst setzt und zudem seine Kognitionen, seine Motivation und sein Verhalten in Abhängigkeit von diesen Zielen und den gegebenen äusseren Umständen beobachtet, reguliert und kontrolliert.”
Amer (2006) definiert Selbstreguliertes Lernen als die Fähigkeit, “Wissen, Fertigkeiten und Einstellungen, die in einem Kontext erlangt wurden, in einem anderen Kontext einzusetzen und zu entwickeln.“
Das erinnert stark an Lerntransfer oder Generalisierung.
Auch die Grenzen zwischen Selbstregulation, Lernstrategien und Metakognition sind nicht einfach zu finden.

Ein Versuch
Carmen Biel (2011) hat sich im Zusammenhang mit Persönlichen Lernumgebungen mit selbstbestimmtem Lernen befasst. Die Essenz des Buches findet sich auf den Seiten 99 und 100, wo sie Selbstbestimmtes Lernen in Selbstreguliertes Lernen, Selbstgesteuertes Lernen und Selbstorganisiertes Lernen unterteilt (hier stark zusammengefasst).

Selbstreguliertes Lernen:
Selbstreguliertes Lernen stellt die innere Strukturierung des Lernens dar. Die Lernenden haben keinen Einfluss auf die Setzung der Lernziele, wählen jedoch selber die Ziele, Strategien und Methoden.

Selbstgesteuertes Lernen:
Selbstgesteuertes Lernen stellt die äussere Strukturierung des Lernprozesses dar und schliesst dessen Selbstregulation mit ein. Es ist ein positionales Lernen, das hinsichtlich eines vorab (fremd- oder selbstgesetztes Zieles) eine Steuerung erfährt.

Selbstorganisiertes Lernen:
Selbstorganisiertes Lernen umfasst das Gleichgewicht zwischen interner (Selbstregulation) und externe Strukturierung (Selbststeuerung) des Lernprozesses. Durch diese Passung kommen die Lernenden zu Autonomie- und Kompetenzerleben. Es wird als dispositionales und vor allem soziales und kooperatives Lernen verstanden, das nicht auf ein spezifisches Lernziel ausgerichtet ist.

Ich fand die Differenzierung von Carmen Biel beim ersten Lesen einen schönen Beitrag zur weiteren Verwirrung, finde sie nun einen sehr lobenswerten Versuch, Ordnung zu schaffen.
Leider reicht das nicht aus. Die Erziehungswissenschaften brauchen gemeinsame Grundlagen und  klar definierte Konventionen.

Daher rufe ich nach (wohl vergeblich) nach einer breit getragenen, erziehungswissenschaftlichen Taxonomie.

Doch:
Bringen Konventionen Ordnung ins Begriffschaos der Erziehungswissenschaften oder sind sie überflüssiger Selbstzweck?

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