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Structure, Dialogue and Autonomy

Wie anstrengend ist Lernen fürs Gehirn?

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Auf welche Weise beeinflussen verschiedene Lernformen die Arbeitsbelastung des Gehirns?

Mit dieser Frage nach der mentalen Anstrengung beim Lernen setzt sich die Cognitive Load Theory auseinander. Das IFeL beschäftigt sich seit Anfang dieses Jahres zunehmend mit dieser Theorie und den damit zusammenhängenden Fragestellungen. Das zentrale Problem, das die Forscher schon lange beschäftigt: Wie kann man objektiv bestimmen, wie viele und welche Ressourcen des Arbeitsgedächtnisses durch eine Tätigkeit beansprucht werden?

Das Problem liegt hier darin, dass in der grossen Mehrheit der Studien subjektive Methoden zur Bestimmung der mentalen Anstrengung zum Einsatz kommen. Unter den Begriff subjektive Methoden fallen dabei all jene Erhebungsinstrumente in der psychologischen Forschung, welche von den Versuchspersonen eine direkte Auskunft, beispielsweise im Rahmen eines Interviews oder einer Fragebogenuntersuchung, erfordern. Diese basieren aber häufig lediglich auf einzelnen Fragebogen-Items und können deshalb stark von den untersuchten Personen beeinflusst werden, da sie beim Ausfüllen eines Fragebogens ihre Antwort überdenken können: Das hat zur Folge, dass nicht mehr völlig objektiv geantwortet wird. Zudem stellt sich die Frage, ob die erlebte mentale Anstrengung zur Erledigung einer Lernaufgabe im nachhinein überhaupt durch die Versuchspersonen verlässlich wiedergegeben werden kann. Daher laufen momentan die Anstrengungen in die Richtung, dass man anhand von objektiven Leistungskennwerten (=?) bestimmt, inwiefern eine Versuchsperson durch eine bestimmte Aufgabe an die Grenzen ihrer mentalen Verarbeitungskapazität gebracht wurde.

Eine solche Methode ist die Technik der Doppelaufgaben (engl.: Dual Task). Die grundlegende Idee ist relativ simpel: Wenn ich zwei Aufgaben gleichzeitig bearbeiten muss, so werde ich, sobald mein „Arbeitsspeicher“ voll ausgelastet ist, in einer der beiden Aufgaben Abstriche machen müssen damit ich in der anderen Aufgabe keine Leistungsverschlechterung zeige. Ein solcher Leistungs-Kompromiss wird auch als trade-off bezeichnet. Dies setzt voraus, dass eine der beiden Aufgaben vom Probanden als vorrangig angesehen wird und die Leistung der Zweitaufgabe tatsächlich derjenigen der Primäraufgabe untergeordnet wird. Darüber hinaus muss die Arbeitsbelastung der beiden Aufgaben zusammengenommen grösser sein als man tatsächlich bewältigen kann, da ein trade-off  sonst überhaupt nicht notwendig wird.

Insofern kann also die Leistung in der Zweitaufgabe als Indikator dafür herbeigezogen werden, wie viel Kapazität über die Aufgabe A hinaus verfügbar – und damit in die Bearbeitung der Zweitaufgabe investierbar – ist. Mit diesem Vorgehen lässt sich also indirekt bestimmen, wie anstrengend eine Aufgabe für unser Gehirn ist und welchen Einfluss verschiedene Lernformen oder das Arbeiten im Team darauf haben.

Und was spielt es beim Lernen für eine Rolle, ob ich eine Aufgabe alleine oder im Team löse?

Dieser Frage nach dem Einfluss der Zusammenarbeit auf die mentale Anstrengung beim Lernen wurde am IFeL mittels eines innovativen Versuchsaufbaus nachgegangen. Was denken Sie, hilft die Arbeit im Team das Gehirn bei der Arbeit zu entlasten oder bewirkt sie, dass wir beim Lernen schneller an unsere Grenzen stossen?

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2 thoughts on “Wie anstrengend ist Lernen fürs Gehirn?

  1. Ich lerne im Augenblick tibetisch
    Zwei volle Stunden tib. In der Schule Und drei
    Drei Stunden Vokabeln und Hausarbeit.
    Dann ist mein Gehirn an derGrenze
    angelangt.
    In der Klasse empfinde ich es leichter
    Mit Gleichgesinnten zu lernen.
    Es hängt auch viel von der Tageszeit ab

  2. Ja, das ist natürlich so: intensive Lernphasen sind ganz schön anstrengend.

    Allerdings kann man anhand dieses Beispiels auch eine schöne Unterscheidung treffen, welche für uns sehr wichtig ist: erstens haben wir infolge der andauernden Lernaktivität die eben beschriebene ERMÜDUNG, zweitens gibt es die ANSTRENGUNG im Moment der Lernaktivität (d.h. wie intensiv wird gelernt / kann gelernt werden?).

    Das heisst, die Ermüdung nimmt üblicherweise mit zunehmender Lerndauer zu, während gleichzeitig die Anstrengung abnimmt. Dies kann sich dann im Lernerfolg widerspiegeln. Ich denke dieser Effekt macht sich auch beim intensiven Lernen der tibetischen Sprache bemerkbar?

    Beim Lernen in der Gruppe kommt dann auch die Motivation zum tragen, welche für den Lernprozess natürlich sehr wichtig ist.

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